Teilprojekt I: Kollaboratives Wissensmanagement und Demokratisierung von Wissenschaft
Sep 23rd, 2008 | By JAS | Category: Die TeilprojekteDas Teilprojekt gibt auf Basis von Dokumentenanalysen, Experteninterviews und Delphi-Runden einen Überblick über die laufenden Entwicklungstendenzen im Bereich Interactive Science. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen neue Formate von Social Software und die daran geknüpften Erwartungen einer egalitären und demokratisierenden Dynamik der kollektiven Generierung und Bearbeitung disziplinärer und interdisziplinärer Wissensbestände. Interactive Science wird dabei auch im Blick auf wissenschaftshistorische Vorläufer kontextualisiert, konstatiert bereits vollzogene Übergange von Science zur Cyberscience und greift Fragestellungen auf, die aus der Weiterentwicklung des Internet bedingt sind (Stichwort Web 2.0). Als Grundlage dient „graue Literatur“ vor allem der Akteure virtueller Wissenschaftskommunikation, ergänzt durch Explorationsstudien, Online-Experimente und Experteninterviews, die darauf hin untersucht werden, ob durch diese neuen Kommunikationsformen im wissenschaftlichen Alltag kollaborative, egalitäre und wissensdemokratische Ansprüche erfüllt werden, wie sie für prominente Selbstbeschreibungen von Wissenschaft bereits leitend sind (vgl. Budapest Open Access Initiative; Göttingen Declaration on Copyright for Education and Research; Science Commons, http://sciencecommons.org).
Die bisher zu beobachtende Transformation betrifft vor allem folgende Bereiche:
- Die Erweiterung der räumlichen Dimension von Wissenschaft und damit verbundene Chancen einer distant collaboration oder kollaborativer Praxen selbst schwach institutionalisierter Forschergruppen.
- Die Veränderung des Rollenrepertoires in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der damit verbundenen Einflüsse auf etablierte Sozialgefüge und Hierarchien.
- Die Modifikation der Repräsentation von Wissen durch nicht-lineare Formen der Wissensorganisation (Hypertext), multimediale Anwendungen, neue Formen der Visualisierung (Präsentationssoftware), Vertonung (Podcasts) und Animation (Flash-Grafiken, Videoclips) verstärkt die performative Dimension von Wissenschaft.
- Die Veränderung des Publikationswesens durch Online-Parallelpublikationen und reines E-Publishing, dadurch die Schaffung gemischter und hybrider Systeme, die einen Zuwachs an Interaktivität und Kollaboration in allen Segmenten des Wissenschaftsbetriebs erlaubt.
- Neue Publikationsobjekte, die im kollaborativen Paradigma entstehen und den klassischen
Werkbegriff als geschlossenes authentisches Objekt (mit Konsequenzen für den Autorenbegriff) auflösen.
- Elektronische Umgebungen – insbesondere im Rahmen so genannter Social Software –, die neue Formen von Qualitätssicherung (web reviewing, open reviewing) ermöglichen und zugleich die Frage aufwerfen, ob sie etablierten Maßnahmen wie etwa dem peer reviewing unterlegen sind oder im Gegenteil gar innovationsfördernd wirken.
- Der sich nur sehr langsam vollziehende Wandel der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, etwa des Urheberrrechts.
Prof. Dr. Claus Leggewie (Kulturwissenschaftliches Institut, Essen)
Univ.-Doz. Dr. Michael Nentwich (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien)
Prof. Dr. Rainer Kuhlen (Universität Konstanz)
Dr. Christoph Bieber (Justus-Liebig-Universität Gießen)
Jan Schmirmund (Justus-Liebig-Universität Giessen)
René König (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien)









