Teilprojekt IV: Wissenschaftliche Information, Kritik und Kontroverse in digitalen Medien
Sep 23rd, 2008 | By JAS | Category: Die TeilprojekteDas Teilprojekt untersucht mit linguistischen Methoden Ressourcen digitaler Medien für den Austausch von wissenschaftlicher Information und für die Austragung wissenschaftlicher Kontroversen sowie für die Transparenz kritischer Selbstevaluation von Wissenschaft. Es befasst sich mit dem Wandel des wissenschaftlichen Austauschs, dem zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch „Neuen Medien“ eine Fortentwicklung in ähnlicher Größenordnung zugetraut wird wie sie die Einrichtung wissenschaftlicher Zeitschriften im 17. Jahhundert bewirkt hat. Damals bewirkten die Publikationen durch ihre häufige Erscheinungsweise einen eine Beschleunigung des Informations- und Meinungsaustausches. Heute stellen Mailing-Lists, Rezensionsportale, Open-Access-Zeitschriften und andere Kommunikationsformate Foren zur Verfügung, die bei der Weitergabe von Informationen aus dem Bereich der Wissenschaft – insbesondere in Bezug auf die Interaktivität und die Schnelligkeit der internationalen Verbreitung – bisherige wissenschaftliche Kommunikationswege bei Weitem übertreffen.
Nicht nur die Potentiale dieses „Medienwandels“ sind mit denen des 17. Jahrhunderts vergleichbar; auch bei anderen Merkmalen lassen sich Parallelen finden: So werden häufig noch traditionelle kommunikative Verfahren und Texttypen eins-zu-eins in eine digitale und interaktive Umgebung übernommen. Darüber hinaus sind die Akzeptanz und die Form der Nutzung digitaler interaktiver Medien in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen durchaus unterschiedlich. Der Vergleich zwischen den Wissenschaftsdisziplinen zeigt Spezifika der jeweiligen Wissenschaftskulturen auf, die jedoch teilweise im Wandel begriffen sind.
Ziel dieses Projekts ist es, mit Mitteln der linguistischen Kommunikationsanalyse empirisch zu erforschen, in welcher Form und in welchem Umfang das innovative Potenzial der neuen interaktiven Formate des digitalen Mediums in unterschiedlichen Fachgebieten genutzt wird und welche Veränderungen in der wissenschaftlichen Kommunikation und der Konstruktion von Wissen sich daraus ergeben. Es soll ein präzises Bild von der tatsächlichen Praxis der Nutzung innovativer Medienformate gezeichnet werden, das Aussagen erlaubt über Potenziale, Barrieren und Probleme der Nutzung dieser Formate im Zusammenhang bestimmter Wissenschaftskulturen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Untersuchung der Funktion von Kontroversen in der kollektiven Konstruktion wissenschaftlichen Wissens.
Prof. Dr. Gerd Fritz (Justus-Liebig-Universität Gießen)
Prof. Dr. Thomas Gloning (Justus-Liebig-Universität Gießen)
Anita Langenhorst, M.A. (Universität Gießen)
TP4-Publikationen
Hier finden Sie eine Liste der Texte, die im Rahmen des Teilprojekts IV entstanden sind:
Fritz, Gerd/ Langenhorst, Anita (2009): Wissenschaftliche Qualität in digitalen Medien? Keine Sorge! ln: Gegenworte 21, 76-78.
Erscheint demnächst:
Bader, Anita/ Fritz, Gerd (2010): Zur Entwicklung von Formaten und Kommunikationsformen in der digitalen Wissenschaftskommunikation — eine evolutionäre Betrachtungsweise. In: Gloning, Thomas/ Fritz, Gerd (Hg.)(2010): Kommunikationsformate und ihre Dynamik in der digitalen Wissenschaftskommunikation. Reihe “Linguistische Untersuchungen”. Gießener Elektronische Bibliothek.
Fritz, Gerd/ Bader, Anita (2010): Digitale Formate in der Wissenschaftskommunikation: Konstellationen und Konvergenzen. In: Bucher, Hans-Jürgen/ Gloning, Thomas/ Lehnen, Katrin (Hg.) (2010): Neue Medien — neue Formate. Ausdifferenzierung und Konvergenz in der Medienkommunikation. Frankfurt am Main: Campus Verlag.
Gerd Fritz:
Scientific-DialogueScientific dialogue in interactive digital media. To appear in: Sibilla Cantarini/ Franz Hundsnurscher (eds.): Dialogue: Studies in memory of Sorin Stati. Bologna: Patron.









